Beim Fußball geht es um viel Geld – das gilt nicht nur für die Vereine in den Profiligen, sondern auch für die Wettindustrie. Denn die Wetten rund um das Geschehen auf dem grünen Rasen sind längst ein Milliardenmarkt. In Wettbüros und online können Fans ebenso wie professionelle Zocker auf Begegnungen rund um den Globus wetten. In den vergangenen Jahren sorgte mehr als einmal ein groß angelegter Wettbetrug für Schlagzeilen. Durch Verstöße gegen die Fußballregeln und mit viel krimineller Energie wurden Ergebnisse manipuliert, um hohe Gewinne beim Wetten einstreichen zu können.

 

Die „Wettmafia“ sucht sich Verbündete

Ein „gelungener“ Wettbetrug beim Fußball bleibt der Öffentlichkeit verborgen. Doch mitunter fliegen die Drahtzieher und ihre Helfer auf – dann sind der Aufschrei und das Entsetzen groß. Dass es in anderen Ländern immer mal wieder Wettbetrug gab, das war in Deutschland schon lange bekannt. Zu Beginn des Jahrtausends musste die staunende Öffentlichkeit jedoch zur Kenntnis nehmen, dass die „Wettmafia“ auch in Deutschland längst aktiv war. Anfangs manipulierte sie nur Spiele in den unteren Ligen, die keine besondere öffentliche Beachtung fanden. Doch irgendwann wollten die Kriminellen auch bei wirklich wichtigen Spielen aktiv werden, die höhere Wettgewinne versprachen. Die Wettbetrüger setzen viel Geld auf eher unwahrscheinliche Ergebnisse, weil hier die Gewinnquoten besonders hoch sind. Sie selbst haben allerdings keinen Einfluss darauf, wann Tore fallen und wie einzelne Partien ausgehen. Sie brauchen deshalb Komplizen unter den Akteuren auf dem Platz. So stand im Zentrum eines der größten Fälle von Wettbetrug im Fußball ausgerechnet ein Schiedsrichter. Er hatte durch bewusste Fehlentscheidungen und damit durch eine Verletzung der Fußballregeln Spielergebnisse beeinflusst. Intensive Nachforschungen brachten später auch die Beteiligung von Spielern ans Tageslicht. Einzelne Fußballer waren von den Wettbetrügern zum Beispiel dafür bezahlt worden, dass sie absichtlich Fehler begingen und auf diese Weise dem Gegner zum Sieg verhalfen. Für ihre Dienste kassierten sowohl der später verurteilte Schiedsrichter als auch die Fußballer hohe Geldbeträge.

 

Skurrile Wetten erleichtern den Betrug

Wenn ganz offensichtlich gegen die Fußballregeln verstoßen wird, lässt sich Wettbetrug recht einfach nachweisen. Es gibt jedoch insbesondere im Internet Wettanbieter, bei denen auf einzelne Ereignisse innerhalb eines Spiels gewettet werden kann, die regelkonform sind – zum Beispiel einen Eckball oder einen Strafstoß in einer bestimmten Spielminute. Die Organisatoren des Wettbetrugs brauchen also in diesem Fall nur einen Spieler, der einen Freistoß oder eine Ecke im richtigen Moment provoziert.

 

Vermeintliche Täter als Opfer

Die meisten Fußballer, die sich als Komplizen für einen Wettbetrug einspannen ließen, profitierten direkt von ihrer Beteiligung – in Form von Geldzahlungen und Geschenken. Die „Wettmafia“, so ergaben umfangreiche Ermittlungen der Polizei und der Staatsanwaltschaft, erpresst die Kicker jedoch mitunter auch. So sollen sich die Kriminellen bewusst Spieler suchen, die in finanziellen oder sonstigen Schwierigkeiten stecken. Ihnen wird zunächst scheinbar uneigennützig geholfen. Wenig später wird ihnen jedoch unmissverständlich klar gemacht, was man von ihnen erwartet. Um sich und ihre Familien zu schützen, spielen viele Fußballer mit – und sorgen auf diese Weise dafür, dass sich das Geschäft mit dem Wettbetrug auch weiterhin lohnt.